Mehr Bahn für die Oberlausitz: Dialogabend gibt Rückenwind für Herrnhuter Bahn und grenzüberschreitende Verbindungen

Beim Dialogabend „Zukunft der regionalen Schieneninfrastruktur in Ostsachsen“ haben am Montagabend in Löbau Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und interessierte Bürgerinnen und Bürger über Perspektiven für den Schienenverkehr in der Region diskutiert. Im Mittelpunkt standen wissenschaftliche Arbeiten zur Herrnhuter Bahn sowie zur grenzüberschreitenden Bahnstrecke Löbau–Ebersbach–Rumburk. Der Abend hat deutlich gemacht: Es gibt breite Unterstützung dafür, die Schieneninfrastruktur in der Oberlausitz zu stärken und weiterzuentwickeln.

Franziska Schubert, Oberlausitzer Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der BÜNDNISGRÜNEN Landtagsfraktion in Sachsen, erklärt:

„Der gestrige Abend hat eindrucksvoll gezeigt, welche Chancen in einer stärkeren Schienenanbindung für unsere Region liegen – für Pendlerinnen und Pendler, für den Tourismus und die wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Drei-Länder-Region.“

„Die Herrnhuter Bahn ist für mich ein Herzensprojekt, für das ich mich seit über zehn Jahren einsetze. Lange wurde diese Strecke abgeschrieben. Die wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen aber sehr klar: Eine mögliche Reaktivierung kann das regionale Bahnnetz stabiler machen, zusätzliche schnellere Verbindungen ermöglichen und das Angebot insgesamt deutlich verbessern. Den vom Diplomanden Lukas Rieseler ermittelten Investitionskosten von 50 Mio. € müssen die Kosten für zusätzliche Kreuzungsmöglichkeiten auf der Oberlandbahn über Wilthen gegenübergestellt werden, wenn man nur dort mehr Züge fahren lassen will. Hinzu kommt der Aspekt der Elektrifizierungslücke, die entsteht, wenn Tschechien die Strecke Liberec–Hrádek bis 2032 elektrifiziert – mit einer Verlängerungsoption bis Zittau: Die Lücke ohne Oberleitung zwischen Zittau und der Strecke Dresden–Görlitz wäre dann wesentlich kürzer über die Herrnhuter Bahn als über die Oberlandbahn nach Bischofswerda. Voraussetzung dafür bleibt eine möglichst schnelle Elektrifizierung der Strecke Dresden–Görlitz.“

Schubert verweist zudem auf den Einsatz ihrer Fraktion im Haushaltsverfahren zum Doppelhaushalt 2025/2026:

„Beide für die Region wichtigen Strecken standen zwischenzeitlich auf einer Streichliste der Staatsregierung im sächsischen Doppelhaushalt 2025/2026. Wir BÜNDNISGRÜNE haben uns im parlamentarischen Verfahren intensiv dafür eingesetzt, dass diese Projekte nicht gestrichen werden. Dass nun von einem anwesenden Vertreter des Sächsischen Verkehrsministeriums verkündet wird, die Strecke Löbau–Ebersbach habe bei grenzüberschreitender Betrachtung in der sogenannten Standardisierten Bewertung für Investitionsmittel des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) positiv abgeschnitten, ist ein wichtiges Signal für die Oberlausitz.“ 

Der Verkehrswissenschaftler Moritz Filter hat bei der Vorstellung seiner Doktorarbeit auch schon konkret vorgeschlagen, z. B. die in Rumburk endende Nationalparkbahn über Ebersbach nach Löbau zu verlängern und die Rychlik-Züge von Kolín ab Rumburk bis Görlitz durchzubinden. Dies wäre ohne großen Fahrzeug- und Personalmehraufwand möglich. Mit Blick auf die nächsten Schritte fordert Schubert nun konkrete politische Entscheidungen: 

„Jetzt kommt es darauf an, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Arbeiten ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Kommunen, dem Freistaat und der Deutschen Bahn die nächsten Schritte zu gehen. Der vom Vertreter der DB InfraGO vorgeschlagene Trassensicherungsvertrag für die Herrnhuter Bahn sollte vom Freistaat als Option bis zu einer Reaktivierung weiterverfolgt werden. Eine stärkere Schienenanbindung, sowohl innerhalb der Region als auch über die Grenzen hinweg, ist entscheidend für eine zukunftsfähige Entwicklung der Oberlausitz.“

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