Textilausbildung gehört in die Oberlausitz: Berufsschulstandort Löbau erhalten

Pressemitteilung 01.10.2026

Der Ausbildungsgang „Maschinen- und Anlagenführung mit Schwerpunkt Textiltechnik“ soll nach dem Entwurf des sächsischen Kultusministeriums ab dem Schuljahr 2027/28 nicht mehr am BSZ Löbau angeboten werden. Der Berufsschulunterricht würde nach Plauen verlagert.

Die Oberlausitzer Landtagsabgeordnete und Bündnisgrüne Fraktionsvorsitzende Franziska Schubert fordert das Kultusministerium auf, diesen Vorschlag zu überarbeiten und den Ausbildungsgang in Löbau zu erhalten:

„Unsere Region ist Textilregion. Sie hat maßgeblich die Siedlungsgeschichte und Entwicklung mitgeprägt, zahlreiche Familien tragen ein textiles Erbe in sich. Wir haben auch in der Gegenwart tolle Unternehmen hier, die hochwertige Produkte herstellen. Das muss gestärkt und erhalten bleiben. Ich verstehe darum nicht, warum wir einerseits mit den Unternehmen über fehlende Fachkräfte sprechen und andererseits die Berufsschule für ihre Auszubildenden so weit weg verlegen wollen. Viele beginnen ihre Ausbildung mit 16 oder 17 Jahren. Sie haben weder ein Auto noch die Möglichkeit, für die Berufsschule einfach eine zweite Unterkunft zu bezahlen. Nach Angaben der Betriebe dauert die Fahrt aus Teilen der Oberlausitz nach Plauen mit öffentlichen Verkehrsmitteln rund vier Stunden – eine Strecke. Das muss in die Entscheidung einfließen“, erklärt Schubert.

Der Verband der Nordostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie hat dem Kultusministerium Stellungnahmen von zehn Unternehmen aus der Region vorgelegt. Sie wollen weiterhin ausbilden, befürchten durch die Verlagerung aber zusätzliche Hürden bei der Suche nach Nachwuchs. Im Schuljahr 2025/26 lernen 31 Auszubildende dieses Berufs am BSZ Löbau. Das Schulzentrum verweist zudem auf ausgebildete Fachlehrkräfte, langjährige Kontakte zu den Betrieben und eine Ausstattung, in die der Landkreis investiert hat.

Schubert: „Ich erwarte vom Kultusministerium, dass es die Wege und Kosten für die Auszubildenden ebenso prüft wie den künftigen Bedarf der Betriebe. Es muss auch erklären, warum vorhandene Fachlehrkräfte und Ausstattung in Löbau für diesen Beruf nicht weiter genutzt werden sollen.“

Franziska Schubert fordert ein Gespräch des Kultusministeriums mit dem Landkreis Görlitz, dem BSZ Löbau, dem Textilverband und den ausbildenden Unternehmen, bevor über den Standort entschieden wird. Gemeinsam müsse ein Plan entstehen, wie junge Menschen für den Beruf gewonnen und die Ausbildung in der Oberlausitz gesichert werden kann.

„Plauen ist ein wichtiger Standort für die Textilausbildung, daran besteht kein Zweifel. Die Betriebe in der Oberlausitz brauchen jedoch ebenfalls eine erreichbare Berufsschule. Die Staatsregierung wiederholt ständig, Berufsschulen gehören in die Regionen. Daran sollte sie sich auch bei Löbau halten. Man muss hier nicht zwei Textilregionen gegeneinander ausspielen“, so Schubert.

Hintergrund:

Am BSZ Löbau werden im Schuljahr 2025/26 31 Auszubildende im Beruf „Maschinen- und Anlagenführung mit Schwerpunkt Textiltechnik“ unterrichtet. Nach dem Entwurf des Kultusministeriums soll der Ausbildungsgang ab 2027/28 nach Plauen verlagert werden. Zehn Unternehmen aus der Region haben sich gegenüber dem Kultusministerium für den Erhalt des Ausbildungsstandortes Löbau ausgesprochen.